Ehrenvorsitzender der deutschen Finnsegler gestorben

Zum Tod von Hajo Fritze

Im Jahr 1963, ich war gerade stolzer Besitzer meines ersten Bootes (natürlich ein Finn!) geworden, sprach mich ein Mitsegler anlässlich einer meiner ersten Regatten an, ob ich nicht Mitglied der Klassenvereinigung werden wolle. Klassenvereinigung? Der Begriff kam in der Gedankenwelt des Greenhorns nicht vor.
Der mich da angesprochen hatte, war Hans-Joachim Fritze, genannt Hajo, damals Sekretär und damit oberster Ansprechpartner der FSVB. „B“ stand für „Bundesrepublik“, in Abgrenzung zur DDR. Hajo erklärte mir, dass die FSVB die Interessen der Finnsegler gegenüber den DSV und der IFA vertrete. Mitglied wurde jeweils für das laufende Jahr, wer einen Obolus in die Kasse der Vereinigung leistete. Diese war damals noch ein Nicht eingetragener Verein. Entsprechend waren die Vorteile (weniger gesetzliche Hindernisse) aber auch die Nachteile: Es war sehr schwierig, die Mitglieder bei der Stange zu halten, d.h. ihnen Jahr für Jahr den Beitrag aus der Nase zu ziehen. Wer nicht dabei war, konnte dennoch an allen Regatten (außer dem Gold Cup) teilnehmen, es gab keinerlei Druckmittel, um den Beitrag zu erzwingen. Eine feste organisatorische Beziehung zu DSV gab es nicht, der DSV übte nur eine Art wohlwollendes Patronat aus, indem er z.B. die Vereinigung mit jährlichen Zuschüssen unterstützte. Das war auch nötig, denn der Beitrag lag so um die 10 DM und wurde Mitte der 60er auf 15 DM erhöht. Von diesem Beitrag ging ein großer Teil an die IFA!
Hajo widmete sich seinem Amt vorbildlich. In seiner Amtszeit von 1962 bis 1969 entwickelte sich die bundesdeutsche Finnklasse in kaum glaublichem Ausmaß: Es wurden ca. 500 neue Segelnummern erteilt. Die Teilnehmerzahlen erreichten in Steinhude 150 und in Kiel 180 Segler. Er machte sich auch die Mühe, die neuen Besitzer jedes verkauften Finns aufzuspüren und für die Mitgliedschaft in unserer Vereinigung zu werben. Die regelmäßig erscheinenden Mitteilungsblätter enthielten alles, was für den Finnsegler von Interesse war. Dabei muss man bedenken, dass der Finnsekretär dazumal praktisch „Alleinunterhalter“ war. Es gab offiziell wenige und praktisch keine Zuarbeiter. Die Mitteilungsblätter mussten mit Schreibmaschine geschrieben und dann hektografiert werden (viele werden gar nicht mehr wissen, was das ist; schreiben auf Wachsmatrize und dann vervielfältigen) und schließlich versandt werden. Das machte Hajo alleine. 1968 brachte er das erste gebundene Mitteilungsheft heraus, erstmals sogar mit Bildern.
Hajo war auch ein erfolgreicher Finnsegler. Er nahm an den legendären Ost-West-Ausscheidungen für die Olympischen Spiele 1960 und 1964 teil. Damals gab es gemäß Weisung des IOC eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft; bei der Ausscheidung wurde entschieden, ob die DDR oder die BRD den Teilnehmer stellte. Bekanntlich konnte Willi Kuhweide 1964 nach dramatischem Vorlauf die olympische Goldmedaille erringen.
1969 konnte ich als Hajos Nachfolger eine mustergültig aufgestellte Finnvereinigung übernehmen. Seine Verdienste führten bei der Jahresversammlung 1970 der FSVB zu einem spontanen Antrag, ihm den Ehrenvorsitz zu verleihen, der zu recht einstimmig angenommen wurde.
1993 wurde Hajo DSV-Präsident bis 2001. Für große Verwirrung sorgte er bei den Finnseglern, dass er in dieser Eigenschaft mehrmals im Council des Weltsegelverbands gegen das Finn als Olympische Klasse stimmte. Er meinte, dass das Klassensortiment für Olympia zu „einhandlastig“ sei (es gab auch den Laser). Das ändert aber nichts daran, dass er Großes für unsere Klasse in Deutschland geleistet hat.
Hajo Fritze ist schon im Februar mit 89 Jahren in den Seglerhimmel eingegangen. Ich habe dies leider erst jetzt aufgrund einer relativ kurzen Notiz auf der Homepage des DSV entdeckt. Ich denke, dass uns sein Tod auch jetzt noch eines kurzen Innehaltens wert ist.

Walter Mai GER 3