Regattabericht Finn Cup Pouch

Ich wundere mich immer noch, warum ich mit 6-4-4 als Dritter einen Bericht schreibe, weil das mathematisch eher unwahrscheinlich ist, aber was soll es: die Zahlen lügen nicht. (hier gehts zur Liste)

 

Gemeldet hatten leider nur neun Teilnehmer und eine Teilnehmerin, die zum Glück auch alle erschienen sind. Am Samstag um 12 Uhr ging es los. Als wir ablegten, hatten wir moderate 2 Bft bei strahlendem Sonnenschein, bis wir am Startschiff waren, zeigte der Windmesser bereits 3–5 Bft. Genau was ich brauchte mit einem nicht voll auskurierten Hexenschuss.Pouch 2019 - Siegerfoto

 

In Pouch liebt man es klassisch und die Wettfahrtleiterin Ulrike Hille hatte mit der Unterstützung von Andreas Pfalzgraf, einem ehemaligen Finn- und jetzigem Europe-Segler, perfekt olympisch ausgelegt: Dreieck–Schleife–Dreieck–Ziel war der Kurs.

 

Von Anfang an legte sich Karl-Heinz Erich an die Spitze, musste sich aber lange Zeit mit Peter Bronke auseinandersetzen, der bei auffrischendem Wind eine super Performance hinlegte. Vorne dabei war auch Jens Leuchte mit seiner Elfriiiiiede. Der erste Lauf verlief weitgehend ohne Drama. Aber das sollte sich bald ändern. Der Wind wurde langsam immer stärker, was nicht nur bei der parallel stattfindenden Yardstick-Regatta zu DLRG-Einsätzen führte, sondern auch zu einigen Finn-Kenterungen, u.a. bei Jens Leuchte, dem später dann auch noch der Ausreitgurt gerissen ist – sehr unpraktisch bei der Wetterlage. Ab nach Hause. Apropos DLRG: Sie waren über den ganzen See verteilt immer gleich zur Stelle. Angerückt waren sie mit drei (!) Booten und voller Besatzung. Ich habe sie nicht gezählt, aber so Pi mal Daumen kam auf jeden Segler ein Lebensretter. Davon könnten sich andere Mal eine Scheibe abschneiden.

 

Der Wind wurde in der dritten Wettfahrt mit 5–6 Bft immer stärker und vor allem immer unberechenbarer, denn in den Böen gab es Dreher von teilweise 30–40 Grad. Dauerhängen, die Oberschenkel brannten. „Hurra“, schrie mein Hexenschuss, „da bin ich wieder.“ Auch Peter Truhm erwischte es an zweiter Stelle liegend vor Wind. Zuerst dachte ich, dass es bei einer Halse passierte, aber nein, einfach umgepustet platt vor dem Laken. In der dritten Wettfahrt lichteten sich dann die Reihen. Jens Leuchte war bereits im Hafen und Peter Bronke folgte während der dritten Wettfahrt. Pause für Old’s Toy. Auch Christian Ludwig fuhr nach Hause.

Die Abstände wurden immer größer, Karl-Heinz Erich zog inzwischen vorne allein seine Bahnen und wurde souverän mit 1-1-1 Erster. Andreas Wolff und Günter Strüwing konnte ich bei diesem Wind mit meinen 75 kg nicht mehr halten. Andreas hat, wie man auf dem Foto der Siegerehrung erkennen kann, einen etwas besseren „Hebel“ als ich und Günter auf seinem SumoRacer, den ich in den ersten beiden Rennen noch halbwegs im Griff hatte, konnte – ohne ihm zu nahe zu treten – seine über 100 kg zum Einsatz bringen.

 

Unser aller Respekt verdient Erika Ohme, die sich mit dem einzigen mir bekannten Finn mit rosa Deck bei einer Windstärke um den Kurs bewegte, bei der sie eventuell sonst darüber nachgedacht hätte, lieber in ihrem Wohnwagen zu bleiben. Sie hat uns damit das Ranglistenminimum garantiert. Vielen Dank dafür.

 

Am nächsten Tag gab es ein Kontrastprogramm. Die Sonne war weg und leider auch der Wind, die Temperatur hatte unter einer geschlossenen Wolkendecke um 10 Grad abgenommen. Als wir rausfuhren, konnte ein Optimist ohne Windfinder ja noch hoffen, dass sich die seichten Böenfelder zu einem geschlossenen Windfeld verbinden, aber nach kurzer Zeit schlief der Wind komplett ein. Das Wasser sah aus wie ein Wackelpudding kurz vor dem Erkalten. Nachdem man am Samstag sein eigenes Wort kaum verstehen konnte, war es nun ganz leise. Am Nordufer hörte man einen Kuckuck schreien. Als es dann auch noch anfing zu nieseln, hatte die Wettfahrtleitung ein Einsehen – Feierabend, einpacken. Schade, dass es so wenig Meldungen gab, denn der Muldestausee ist ein schönes Segelrevier. Von Wald umrandet, über den Daumen 1,5 x 2 km groß, mit einem eigenen Mini-Strand und die Vereinsmitglieder sind sehr engagiert. Es wäre schön, wenn nächstes Jahr ein paar Segler/innen mehr kommen würden.

 

Udo Bengsch

GER123

 

Ergebnisliste