Bericht EM 2020

Ungefähr eine Woche vor Start der Euro fuhr ich nach Gdingen. Das letzte Mal, als ich da war, waren die Straßen eine Katastrophe- seit 2012 hat sich viel zum Positiven geändert. Von Kiel aus sind das circa 800km und man ist mit Hänger ungefähr 9-10 Stunden unterwegs.

Das Training begann am nächsten Tag. Die Briten und Max Salminen waren schon da und die Chemie in der Gruppe stimmte sofort. Es ist immer toll, wenn man eine Gruppe hat, in der man sich gegenseitig extrem pushen kann, ohne dass einer hinterher schlecht gelaunt ist oder Dinge persönlich nimmt. Das macht eine gute Trainingsgruppe aus!

Drei Tage vor beginn der Wettfahrten kam Steve Lovegrove an. Steve hatte Phillip und mich schon im März in Palma trainiert und ich wussten schon damals, dass ich extrem von Steves Philosophie und Ausstrahlung profitieren konnte. Damals hatte ich innerhalb einer Woche einen Mindset erreicht, mit dem ich meine PS viel besser auf die Straße bringen konnte. Leider kam uns dann Corona zuvor und unterbrach die Saison.

Steve pushte mich bis zum Regattastart jeden Tag zu trainieren. Wir wollten keine Zeit verlieren, da ich diese Saison sowieso vergleichsweise wenig gesegelt war. Das kostete natürlich Energie, aber davon hatte ich eigentlich genug.

Der erste Raceday startete mit 12-16 Knoten auflandigem Wind und schöner Welle. Der Ansatz war klar: Kein großes Risiko, Lieber zwei Mal nen 15. Platz, als einen 5. Und einen 35. Die Woche war lang und wir erwarteten ablandige Bedingungen, bei denen man sich keinen frühen Streicher erlauben wollte. Mit einem 16. und 17. Platz war alles im Rahmen und man muss dazu sagen, dass meine Stärken eher bei unbeständigen Bedingungen liegen, als bei auflandigem Wind, der kaum dreht und man im Prinzip in eine Ecke hackt und der schnellste gewinnt. Sowas ist einfach nicht mein Ding. Deswegen war ich ganz zufrieden mit den Zahlen, und der Art und Weise, wie ich gesegelt war.

Tag zwei brachte die neue Wetterlage mit ablandigen, drehenden Winden. Mit 9. Und 11. War das mein bester Tag im Schnitt. Uns war klar, dass das eine „High Scoring Regatta” wird und wir mit dieser Art Ergebnissen locker in die Top 10 kommen würden.

An Tag drei hatten wir dann wirklich schwierige Bedingungen aber es gelang mir einen 23. Und 4. Platz einzufahren, wobei ich den 23. gerne nehme, wenn man. Bedenkt, dass ich ungefähr 40. an der ersten Marke war… Der 4.Platz war auch nen richtiges Schweinerennen, ich war aber glücklicher über die Art und Weise, wie ich gesegelt war, als über die Zahl, die nachher auf dem Tableau stand. Natürlich freut man sich auch über das Ergebnis, aber es war in diesem Fall wirklich der „Prozess“, wie wir ihn nennen, der mich stolz gemacht hat.

An Tag vier, dem vorletz

ten Raceday, hatte ich einen kurzen Schreckmoment, da ich im ersten Rennen als BFD gewertet wurde, aber extrem vewirrt war: „ Kann ich auf einmal nicht mehr starten? Ist das eine Wiederholung der IDM? (Dort war mir ein doofer Fehler unterlaufen und hatte mir die Meisterschaft gekostet). Da mental zurückzukommen ist gar nicht so einfach. Da laufen dann Filme ab im Kopf aber du musst eigentlich den reset- Knopf drücken für das nächste Rennen! In Rennen zwei konnte ich einen soliden 14. rausholen. An Land zeigte mir Steve das Video zum vermeintlichen BFD. Er filmte vom Pin-End. Ich war nirgends zu sehen. Ich war mir aber sicher, dass ich zum Startschiff hin abgedeckt war und nicht sichtbar war.

Ich war mir so sicher, dass ich einen Scoring Review einreichte, damit man das untersucht. Nach kurzer Zeit war klar: Es war ein Fehler der Wettfahrtleitung. Ich wurde wieder eingesetzt und erhielt einen 14. Platz. Damit ein solider Tag!

 

Vor dem letzten Tag lag ich auf Platz 12. Soweit eine gelungene Regatta und solide Einzelergebnisse. Die Punkte gaben mir ein wenig Sicherheit nach hinten und ich wusste, dass ich mit zwei soliden Rennen in die Top 10 einziehen könnte. Wieder ablandiger Wind mit 8- 14 Knoten. Sehr große Druckunterschiede und 20+ Grad Dreher. Ein absoluter Spielplatz für mich- wie in Kiel bei Westwind!

„What time is it?- GAMETIME!“ Das war unser Ritual vor jedem Rennen und jetzt nochmal zwei gute Dinger und der Job ist getan!

Am Pin End gestartet, selbstbewusst die Dreher genommen- 4. Am Luvfass! Oscar positiv, also Pumpen bis zum gehtnichtmehr und 6. am Leefass. Dann zweite Kreuz mache ich einen Fehler und fahre nicht mit meiner Gruppe Anschlag nach rechts, sondern fahre meinen Stiefel links mittig Richtung Luvtonne.

Dann geht der Wind weg. Und ich sehe wie ein Päckchen von circa 10-15 Booten rechts über mir mit 10 Knoten mehr Wind direkt zur Tonne fährt. Ich kann nichts machen, nur zugucken… Absolut ärgerlich und so unverdient!

Im Ziel bin ich frustriert und extrem wütend, zerschlage das erste Mal in meinem Leben einen Pinnenausleger. Wie dumm- das war mein schöner FES Lieblingspinnenausleger!! Ich winke Steve heran, er gibt mir einen neuen. Ich drück mir ne Handvoll Gummibärchen rein, spüle mit Wasser nach. Dann Koffein Shot und einen Riegel hinterher. „Das Ding ist noch nicht durch- jetzt Kämpfen, vorwärts. Noch ein Rennen, bring es zu Ende!“, sag ich zu mir. Dieser Rückschlag hatte mich energetisch so hochgepusht. Ich war bereit nochmal alles zu geben.

Ich habe eine lose Feldeckung nach rechts und arbeite mich Dreher für Dreher nach oben. Dann geht der Wind plötzlich weg und beginnt nach rechts zu drehen. 15, 20, 25, 35 Grad Rechtsdreher und ich denke mir „nicht schon wieder“! Ich gucke nach rechts, es ist nichts zu sehen. Ich war mir sicher, dass es nur eine Oszillation nach rechts war und er dann wieder nach links dreht… Leider passierte das Gegenteil und es geschah noch einmal genau das Gleiche wie in Rennen 1… Der Wind ging für den Rest des Tages nie wieder nach links.

Als ich im Ziel war konnte ich es nicht glauben und war so extrem traurig. Nicht enttäuscht über meine Leistung, nur ungläubig über die unfairness die sich gerade zugetragen hatte. Aus zwei extrem vielversprechenden Rennen wurden meine beiden schlechtesten Platzierungen. Ich hatte in beiden Rennen durch die Rechtsdreher circa 30 Punkte verspielt.

Der DSV wird diese EM und die KiWo nutzen, um über einen Kaderstatus zu entscheiden. Alles was ich so sorgfältig aufgebaut und vorbereitet hatte, sollte jetzt wegen zwei Rechtsdrehern zu Nichte gemacht werden? Das war für mich das Bitterste.

Jetzt nach zwei Tagen kann ich sagen, dass es immer noch bitter ist aber ich sehe mit Zuversicht nach vorne und weiss dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ab Donnerstag geht die KiWo los und dann werden wir mal sehen, was so geht…

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute, bis bald!

Max

GER25

P.S. Folgt mir bei Patreon unter https://www.patreon.com/maxkohlhoff und unterstützt die

Kampagne! Vielen Dank an alle Supporter!