Kieler Woche 2020

Die Euro war grade zu Ende gegangen. Ich verpackte mein Boot und machte das Auto fertig. Ich war so frustriert, dass ich- ganz untypisch- nicht zur Siegerehrung warten wollte, denn es waren schließlich 800km zu bewältigen.

Nach einem blöden Stau vor Stettin erreichte ich morgens um 4 Uhr mein Zuhause in Strande.

Ich hatte also nur drei Tage, um mich so gut wie möglich von der Euro zu erholen, da am Donnerstag bereits die KiWo begann.

Das Feld war kleiner als gedacht aber dafür hatten wir ein paar wirklich gute Jungs am Start, 6 Olympia Qualifizierte und somit 8-10 solide Recken.

Ich hatte am ersten Tag starke Schwierigkeiten meine Segelei anzupassen. Ich weiss nicht, wie ich es sonst beschreiben soll, aber im Prinzip segelt man nicht wie vorher bei der EM gegen das ganze Feld mit 50 Booten, sondern eigentlich nur gegen 8 Boote, wobei ein 8. Platz im Prinzip schon der schlechteste Score ist, den man erreichen kann. Das ist bei den Bedingungen ab 10 Knoten und Welle einfach so, weil einfach die Qualität dann doch sehr stark schwankt zwischen den Profis und den Amateuren.

Bei diesem kleinen aber wichtigen Unterschied muss man gewisse Entscheidungen und das „Risk- Reward“ Prinzip ganz anders angehen bzw. Prioritäten verlagern. Nach Tag 1 liege ich auf dem 5. Platz mit 4, 8, 6

Tag zwei brachte sehr ähnliche Bedingungen mit etwas mehr Wind. Mein Score: 7, 6, 4. Nicht wirklich befriedigend und auch ein bisschen undankbar, aber alle hatten gleichermaßen mit den Bedingungen zu kämpfen. Ich wusste ich musste mich noch einmal klar verbessern, um die Chance zu wahren vom DSV für einen Kader nominiert zu werden.

Am Morgen des dritten Tages, Samstag, sah man allen im Boatpark an, dass dies eine kräftezehrende Regatta sein würde. Leute gingen gebückt, leicht humpelnd und mit in die Hüfte gelegten Händen, den Rücken massierend.

Heute wollte ich nochmal an das Podium heranfahren. Ich fühlte mich körperlich zwar schon hart an der Grenze, aber ich wusste auch dass ich fit war und es nur um meine Entscheidungen ging, und die wurden schließlich im Kopf getroffen. Mit 3, 7, 6 war das zwar mein „bester“ Tag, jedoch hatte ich schon wieder wertvolle Punkte verspielt und das Podium oder zumindest Top4 lagen auf einmal in unerreichbarer Ferne.

Für den Sonntagmorgen hatte ich mir vorgenommen noch einmal alles zu geben. Es war mit Glück noch ein 4. Platz drin. Die Wettervorhersage für Sonntag war eine zunehmende Westbrise, erst 15 Knoten, schnell zunehmend auf bis zu 35 Knoten Böen. Zwei Rennen sollten uns nochmal alles abverlangen. In Rennen eins machte ich soweit nicht viel falsch, blieb bis zum letzten Downwind dicht in der Führungsgruppe. Ich machte einen Fehler und übersah einen Böenstrich und drei oder vier Boote fuhren vorbei, damit war ein 7. Platz zwar ärgerlich, trotzdem war ich glücklich, wie ich gesegelt war.

 

Zum zweiten Rennen nahm es nochmal richtig zu und es zogen jetzt auch richtige Drücker den Kurs runter.

Ich lag an der ersten Luvtonne an 3. Position und war fest entschlossen dieses Rennen nicht wieder aus der Hand zu geben. Das hat dann circa 8 Minuten funktioniert, bis ich dann am Leegate den schlimmsten Wipeout meines Lebens hatte. Mein Trainer sagte nach dem Rennen zu mir:

„I am pretty sure your Mast broke the supersonic barrier when it hit the water“.

Es war also schon ein harter Aufschlag…

So ein durchgekenterter Finn ist ja schon sperrig genug aber dann noch zwischen den beiden Leetonnen und mit ausweichenden Booten ist das genug Action…

Und dann dreht er sich beim Aufrichten auch noch immer mit dem Mast in Windrichtung… Also Eskimorolle, einsteigen und Abfahrt!

 

Ich war jetzt wirklich sauer, weil ich meinen Vorsatz nicht eingehalten hatte und auf Platz 10 abgerutscht war. Ich hatte allerdings noch Zeit ein paar Boote gut zu machen und war dann tatsächlich achter im Ziel.

Alles in allem eine „passable“ Leistung, trotzdem schon wieder ein letzter Renntag der mich nach hinten warf. Dieses Mal auf den siebten Gesamtrang und damit hinter all meine direkten Konkurrenten.

Ich muss trotzdem sagen, dass ich extrem viel gelernt habe und mit meiner Leistung nicht unzufrieden bin, obwohl ich mit der Zahl, die am Ende unten drunter steht nicht glücklich bin.

Wir werden jetzt in den nächsten Wochen sehen, ob der DSV mich für einen Kader nominiert. Bis dahin halte ich mich fit und werde in Kiel trainieren.

Ich möchte mich bei der Gelegenheit noch einmal bei der Finnklasse und dem FTG und allen Supportern bedanken, die diese Kampagne noch ein Jahr länger am Leben gehalten haben!

Soweit erstmal von mir

Bis dahin alles Gute

Max Kohlhoff

GER 25