Didier Poissant 1923 – 2021

Die französische Finnlegende im Februar verstorben

 

Bei den Finn World Masters 1996 in La Rochelle fiel mir einer auf: ein Exot, von kleiner, finnuntypischer Gestalt, auf einem Uraltboot von Lanaverre mit Holzrigg. Dazu in einem Alter, welches man bis dato im Finn bei einer derartigen Veranstaltung noch nie gesehen hatte. Sein Name: Didier Poissant (???); leider unbekannt.

Dabei handelte es sich um nichts weniger als den ersten Finn-Olympiateilnehmer Frankreichs bei den Spielen (in Melbourne1956), welche er als 13. Von 20 Teilnehmern beendete. Das Ergebnis spiegelte leider keineswegs sein wahres Leistungsvermögen wider: er brachte nur 65kg auf die Waage, bei den überwiegend windigen Verhältnissen auf dem Revier nicht matchtauglich. Im selben Jahr wurde er  bei anderen Verhältnissen jedoch Europavizemeister in Loosdrecht.

Das hatte er nicht zuletzt seinem Trainingseifer zu verdanken. Er war einer der ersten Segler, welche mit körperlichem Fitnesstraining ihre Leistung zu verbessern suchten. Das kam in den frühen 50ern nicht bei allen Konkurrenten gut an. Damals war Segeln noch weitgehend Herrensport, und man sagte ihm, dass man Regatten mit Begabung gewinne; durch Training werde der Sport verdorben.

Nach den Spielen 1956 kommt Didier zu dem Schluss, für das Finn zu alt zu sein, und zu leicht sowieso. Er wandte sich wieder anderen Bootsklassen zu und konnte zahllose internationale Titel gewinnen, viele  in der Snipeklasse. Er gewinnt die französische Olympiaausscheidung 1964 im Drachen, kann dann aber aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Später wird er Seesegler.

Und 1996, nach 40 Jahren, also die Rückkehr ins Finn, der Beginn der 2.Karriere. Zuvor hatte er das alte Lanaverre von 1964 gekauft.  Aber La Rochelle war sozusagen nur ein „Warm up“. Er hatte seine alte Liebe wiederentdeckt , besorgte sich bestes Material und  war fortan regelmäßiger Gast bei allen Masters, stets der Älteste im Feld und gewann Kultstatus, denn er bewies eindrucksvoll sein Können. Mit 80 in Cannes 65. von 193 Teilnehmern, mit 84 in Medemblik 54. von 114, mit 85 in Maubuisson 78. von 261…  Jaques Rogge, selbst einst Finn-Spitzensegler , ehrte ihn als Präsident des IOC mit der Silbermedaille des IOC.

Didier war dem Finn erneut  verfallen. In Medemblik verriet er mir am Kaffeetisch, “wenn ich nicht mehr zu den Masters erscheine, bin ich nicht mehr“. Dann, er war wohl schon an die 90, wurde er krank und schaffte es nicht mehr zu segeln. Im Februar ist er 97jährig in den Finnhimmel eingegangen. Ich habe es leider erst jetzt erfahren.

Walter Mai

GER3