Bericht zur IDM 2019 des RSVM auf der Müritz

Auf dem Weg nach Warnemünde bin ich schon oft an der Müritz vorbeigefahren, aber noch nie auf ihr gesegelt. Da ich viel Gutes über das Revier gehört hatte, freute ich mich seit der Meldung zur IDM auf meine erste Finnregatta auf dem zweitgrößten Binnenrevier Deutschlands. Soviel vorweg: Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Am Mittwoch kamen mein Trainingspartner Mark Bayer und ich nach kurzer Anreise aus Berlin in Röbel an und luden unsere Finns auf dem sehr weitläufigen Gelände des Röbeler Segel-Verein Müritz ab. Hier gab es so viel Platz für Boote, Trailer und Wohnmobile, dass wohl locker nochmal 76 Finner hätten kommen können.
Die Vermessung wurde schnell und unkompliziert durch Detlev Gumminski durchgeführt und schon war mein Boot bereit für den ersten Probeschlag.

Im engen Schlauch, der von Röbel auf die offenen Müritz führt, liefen nur ein paar einzelne Windstriche, aber die von ihren Trainingsschlägen zurückkehrenden Segler berichteten von gutem Wind draußen. Also nahm ich den Weg auf mich und trieb bei 1-3 kn Wind aus wechselnden Richtungen ca. 30 min gen Norden. Je näher ich dem offenen Wasser kam, desto schwächer wurde die Luftbewegung.

Vom Regattagebiet kamen mir schon drei Berliner Finns entgegen, auch sie bereits mit dem nachlassenden Wind hadernd. An der Fahrwassertonne zwischen Röbeler Bucht und offener Müritz trafen wir uns als der Wind komplett einschlief und leichter Nieselregen einsetzte – herrlich!!

Ich entschied umzudrehen und mit den anderen Richtung Verein zurück zu pumpen und zu wriggen. Zumindest für Trainingsfahrten sind Paddel an Bord keine schlechte Idee. Nach einer guten Stunde erreichten wir endlich den Verein.

Mein erstes Rendez-Vous mit der Müritz war nicht so verlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es konnte also nur noch besser werden.

Mark und ich bezogen unsere Ferienwohnung im Ort, kauften ein, kochten und beendeten den ersten Tag nach dem Essen mit dem üblichen schlechten Fernsehprogramm, das uns bald in den Leistungsschlaf zwang.

Der Donnerstag wartete mit durchwachsenem Wetter auf: Nur 13 – 16 Grad aber dafür 9 – 18kn Windprognose. Nach der Steuermannsbesprechung um 0900h ging es relativ schnell aufs Wasser, da die Anfahrt zur Bahn trotz mehr Wind als am Vortag 45 – 60 min dauern sollte und der erste Start um 1100h angesetzt war.

Beim Rausfahren schien noch kurz die Sonne, so dass ich schon Hoffnung hatte, das Spraytop zum Start ausziehen zu können. Leider war es dann eher bewölkt mit leichten Schauern, als dass uns Sonnenschein erwärmt hätte. Dafür blies es mindestens so stark wie vorhergesagt, was einem zumindest in den Rennen dank Flagge „Oscar“ zu wärmender Körperertüchtigung anhielt.

Ohne die bei IDM´s üblichen 3 – 10 Startversuche ging es nach nur einem allgemeinen Rückruf ins erste Rennen. Die Welle war kurz und knackig (so etwa zwischen Steinhuder Meer und Ijsselmeer) und der Wind blies kräftig und relativ konstant, wobei er nicht wie auf anderen Binnenrevieren im 3 – 5-Minutenrhythmus oszillierte, sondern ca. alle 6 – 8 Minuten bzw. mit den Regenwolken bis zu 25 Grad drehte. Der wachsame Blick auf den Kompass war also Pflicht.

Nach dem ersten Zieleinlauf war klar, dass dies kein einfacher Segeltag werden würde und in diesem Feld jeder Platz hart erkämpft werden musste. Nicht Wenige brachen bereits während des Rennens ab und suchten den sicheren Hafen für den Rest des Tages auf. Mit Thomas Schmid und Andre Budzin liefen zwei der Favoriten als erstes ein, aber hinter ihnen folgten dicht die üblichen Verdächtigen für viel Wind sowie zwei sehr stark auffahrende Dänen, die sicherlich die wenigsten Probleme mit den Bedingungen hatten, entsprachen sie doch dem dänischen „Standard“ auf der Ostsee. Ich hatte noch Probleme meinen Speed zu finden und die Dreher zu lesen und musste mich daher mit dem 7. Platz zufriedengeben.

Das zweite Rennen sah dann Dank eines stark bevorteilten Pin Ends mehrere Startversuche mit teils tumultartigem Gerangel am linken Linienende. Im Start, der dann durchging, hing ich mitten in einem dieser Pulks und so musste ich mich von einem der letzten Plätze durch das Feld arbeiten, was angesichts der großen Zahl an Booten und guten Seglern sehr mühseelig war und mir am Ende nur den 11. Platz bescherte. Ich konnte auf der Kreuz einfach nicht den Druck reproduzieren, den ich mit meinem im Sommer (bei einem idiotischen Trainingsversuch bei bis zu 58 kn Wind) gebrochenen Mast ins Segel bringen konnte. Diesmal gewann Andre vor dem Dänen Martin Mikkelsen und dem sehr schnellen Michael Klügel. Thomas musste sich mit dem 4. Platz begnügen.

Das dritte Rennen des Tages sollte dann endlich meines werden. Hinter Jan-Dietmar Dellas und Mark ging ich um die Luvtonne, um die beiden mit meinem glücklicherweise nicht vom Mast abhängigen Vorwindspeed schnell zu überholen. Die Führung gab ich dann bis ins Ziel nicht mehr ab, wobei sich Andre in gewohnter Budzin-Manier von einer hoffnunglosen Position an der ersten Bahnmarke auf den zweiten Platz vorarbeitete. Mark sicherte sich vor dem Dänen Jens Andersen den dritten Platz. Nur Thomas kam diesmal nicht ins Rennen und landete auf Platz neun, was letztlich sein Streicher werden sollte.

Nach drei Rennen mit kräftigem Wind, knackiger Welle und freiem Pumpen waren wohl alle froh, als es endlich zurück in den Hafen ging. Seit dem letzten Winter hatte ich mich nicht mehr so auf eine warme Dusche gefreut, da ich mir in den Rennpausen den Inhalt meiner Hängehose abgefroren hatte. Soweit ich es mitbekam, ging es nicht nur mir so. Vorher gab es noch eine kleine „Happy Hour“ mit warmer Bockwurst und Bier am Klubhaus.

Abends wurde dann die KV-Sitzung unter souveräner Leitung unseres Präsis Claus Wimmer in der großen Segelhalle abgehalten. Dazu gab es ein sehr schmackhaftes Buffet mit Finger Food und Freibier auf Klassenkosten. Danach gingen dann bei den meisten die Lampen (der Wohnmobile) recht zeitnah aus.

Der Freitag wartete mit identischen Segelbedingungen auf, was nicht bei allen auf Begeisterung stieß, hatte doch der Vortag schon seine Spuren hinterlassen.

Das vierte Rennen gewann Thomas überlegen mit einem Start-Ziel-Sieg vor einem glücklichen Andreas Gillwald und dem erneut sehr stark auffahrenden Dänen Andersen. Andre und ich mussten uns wieder mal nach vergeigter Startkreuz durchs Feld kämpfen, bekamen aber auf der Zielkreuz nochmals einen Dreher gegen uns und produzierten so unsere Streicher mit Platz neun (Andre) und elf (ich). Bei allem Pech hatte ich jedoch ein besseres Gefühl meine Amwindgeschwindigkeit betreffend.

Am Start des fünften Rennens baute ich mich im erneuten Pin-End-Tumult so ungeschickt ein, dass ich mich nur durch Treiben rückwärts nach Lee befreien konnte. Mir blieb nichts anderes übrig, als auf Steuerbordbug die Lücken hinter den ersten Startreihen zu suchen und mich so auf die rechte Kreuzseite zu schlagen, um dort freien Wind zu finden. Das gelang mir recht schnell und zwei bis drei Dreher zu meinen Gunsten später fand ich mich als Erster an der Luvtonne wieder. Nun konnte ich das Feld von vorne kontrollieren und mir sogar einen kleinen Vorsprung herausfahren. Leider fehlte mir im Vergleich zum perfekt fahrenden Thomas immer noch das letzte Bisschen Geschwindigkeit auf der Kreuz, so dass er und der Däne Mikkelsen immer näher an mich heran kamen. Auf der Zielkreuz musste ich dann gegen beide verteidigen und als sie sich 300 Meter vor dem Ziel trennten, endschied ich mich für Thomas, da ich ihn als meinen direkten Gegner sah und sein Schlag zur rechten Seite angesichts des schon eher auf Links gedrehten Windes erfolgversprechender war. Leider drehte der Wind dann aber noch stärker nach links, so dass Mikkelsen mich passieren und seinen ersten Tagessieg einfahren konnte. Thomas wurde Dritter, gefolgt von Klaus Reffelmann und dem Schweriner Hermann Heide, die damit beide ihr jeweils bestes Ergebnis erzielten.

Das sechste und damit dritte Rennen des Tages sah wieder viele verfrorene und erschöpfte Gesichter. Nach gutem Start und erster Kreuz war die Wettfahrt ein Kampf zwischen Thomas, Andre und mir, den Thomas aufgrund fast fehlerfreier Taktik und körperlicher Stärke für sich entscheiden konnte, während ich erst auf den letzten Metern Andre im harten Zweikampf um die stärkeren Oberschenkel niederringen konnte. Hinter ihm fuhr Frank Dinnebier sein bestes Ergebnis der Regatta ein, gefolgt vom schnell fahrenden Jan-Dietmar.

Erneut war die warme Dusche sehnlichstes Ziel an Land bevor mangels Abendprogramm die Lichter der Wohnmobile noch früher als am Vortag erloschen.

Auch Renntag Nummer drei hielt das selbe, anspruchsvolle Wetter für uns parat, nur dass der Wind im Gegensatz zu den Vortagen nicht aus West-Südwest, sondern aus Nord-Ost blies, was eine noch höhere Welle und damit perfekte Surfbedingungen erzeugte. Thomas, Andre und ich hatten uns bereits punktemässig vom Feld abgesetzt, ohne dass es zwischen uns endgültig entschieden war.

So sah das siebente Rennen erneut einen Kampf zwischen Thomas und mir, bei dem Thomas jeweils dank perfekter Kreuzen mit gutem Speed als erster die Luvtonne erreichte und ich ihn dank meines starken Vorwindspeeds jedes Mal wieder überholen konnte. Da das Ziel immer in Luv lag hatte er am Ende die Nase vorne. Hinter uns kreuzte Andre die Ziellinie, der sich wieder mal aus der Feldmitte bis zu uns herangeackert hatte, vor den beiden Dänen. Damit war Thomas wieder einen Punkt weiter weg von mir, aber Andre Einen näher.

 

Auch im achten Rennen rangen wir drei wieder um jeden Meter gegeneinander, was lediglich Andersen für sich nutzen und seinen ersten Tagessieg einfahren konnte. Danach lief ich ein, hinter mir Thomas und dann Andre. Als Fünfter bescherte sich Andreas Bollongino sein bestes Ergebnis. Nun hatte ich Andre zwei weitere Punkte abgenommen und damit die Chance ihm noch im letzten Rennen den Vizemeistertitel zu entreißen.

Nach mehreren Startversuchen – dem letzten unter Black Flag – durften die ersten Teilnehmer vorzeitig den Weg zur heißen Dusche antreten. Nach erfolgreichem Start kam nun das Finale um die Meisterschaft. (Ein Medal Race war leider nicht geplant, was ich persönlich bereits vor Beginn der Serie sehr schade fand und nun angesichts meines geringen Punkterückstands umso mehr).
Thomas und Andre segelten die Startkreuz vom Pin End über die linke Seite, während ich versuchte mir in der Mitte mit Option auf die rechte Seite einen Vorteil zu verschaffen. Die linke Seite hatte aber den besseren Wind und so konnte Andre vor Thomas von der ersten Runde an das Feld dominieren. Beide fuhren auch die weiteren Kreuzen über links, womit ich gezwungen war, mein Glück auf der rechten Seite zu versuchen, um mit einem Rechtsdreher noch an ihnen vorbei und damit auf den zweiten Gesamtplatz (oder mehr) zu segeln. Aber die Winde waren gegen mich, obwohl Andersen mit mir über rechts fahrend sehr gut zurechtkam und das Rennen hinter Andre, Thomas und Mark als Vierter beendete. Mir blieb der sechste Platz, aber ich hatte es wenigstens versucht.

Thomas war damit Deutsche Meister der Finns 2021, Andre Vize und ich Dritter.

Zurück zum Verein ging es diesmal vorwinds mit einer herrlichen Surfwelle und aufreißenden Wolken, so als wollte uns die Müritz nochmal ihre beste Seite zeigen und sich für weitere Finnregatten empfehlen.

Nach der obligatorischen heißen Dusche packten alle ein, leckten sich die Wunden der letzten drei Tage und brachten sich für das große Champions Dinner am Abend in Form, Stimmung und Schale. In der Segelhalle wurde dafür ein erstklassiges Buffet aufgefahren, das qualitativ und mengenmässig den Wettkämpfen auf dem Wasser um nichts nachstand.

Nachdem alle gesättigt und mit reichlich Getränken versorgt waren, wurden die ersten 25 mit Urkunden, der Vierte mit einem handgearbeiteten Messer vom lokalen Schmied und wir ersten Drei mit Preisen und Medaillen geehrt. Höhepunkt war dabei zweifelsohne die Rede des auf Platz 18 liegenden Holländers Henk de Jager, der seit seiner Ankunft an Land den Nachmittag mit einem Bier in der einen und einem Wiskey in der anderen Hand verbracht hatte. Als er nach vorne gerufen wurde zeigte er daher bereits signifikante Schwierigkeiten beim Laufen und Sprechen. Trotzdem brachte er eine derart launige Rede zustande, die so manchen seiner nüchternen Vorredner bei weitem in den Schatten stellte, uns Zuhörern vor Lachen die Tränen in die Augen trieb und ihm den verdienten, tosenden Applaus sowie mehrere Heiratsanträge sicherte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine Schande ist, dass wir nicht schon viel früher viel mehr Regatten auf der Müritz und beim Röbeler Segel-Verein Müritz gefahren haben. Das Revier sucht unter den Binnenrevieren Seinesgleichen, die Wettfahrtleitung war absolut professionell und sowohl Essen, als auch das Vereinsgelände ließen keine Wünsche offen.
Ich hoffe, der Röbeler Segel-Verein Müritz entschließt sich eine jährliche Ranglistenregatta für die Finns ins Saisonprogramm zu nehmen. Unsere Klasse hat sich zumindest mit der härtesten und anspruchvollsten IDM (neun Rennen bei im Schnitt 16 kn Wind unter „Oscar“ und mit viel Welle) seit ich Finn segel dafür empfohlen.

 

Ahoi

fabian „fl!nk“ lemmel

GER501

 

Fotos

Ergebnis

IDM-Müritz -RL1,55