Wahnfried geht von Bord!

Wilfried Balthasar GER 68 geht von Bord

Eines der letzten Originale unserer Klassenvereinigung hat uns für immer verlassen. Wilfried Balthasar, unter den bayerischen Seglern „Wahnfried“ (nach dem Namen eines seiner Boote)genannt, ist plötzlich und von keinem erwartet in den Finnhimmel eingegangen. Als Bruder des erfolgreicheren Bruders Roland (u.a. Masters Sieger 1994 und 1996 sowie Deutscher Meister 1978) stand er seglerisch immer in dessen Schatten. Aber in seiner aktiven Zeit war er ein belebendes Element vor allem im  Bereich des „Seglerhocks“.

Erstmalig lernte ich ihn während meiner Zeit in Kiel kennen, als er dort so Ende der 60er Jahre bei der Kieler Woche auftauchte. Da prägte er für die Finnklasse den Begriff „Die Ledernacken der Segler“. Diese Bezeichnung für die Elitetruppe der amerikanischen  Marines dünkte mich damals ein bisschen verschroben, wenngleich sie das Wesentliche gut traf. Und sie traf seinen Charakter: etwas querdenkerisch, vielleicht auch eigenbrötlerisch, dazu stets zu seinen Ansichten stehend. Seine Ansichten vertraten nie den Zeitgeist, was er mehrmals bei den „social events“  der Regatten zum Besten gab. Seine Formulierungen waren oft nicht druckreif, und ihm politische Korrektheit zu unterstellen hätte er als Zumutung sicher zurückgewiesen. Vor allem bei den Regatten auf seinem Heimatrevier Waginger See wurde er dafür zur Legende. Ich verkneife mir hier angesichts der  heute  etwas begrenzten Meinungsfreiheit wörtliche Zitate. Dabei hatte man doch bei vielen den Eindruck eines gewissen Augenzwinkerns; er war in seiner Art einfach liebenswert.

Oft spielte er an den Abenden nach der Regatta zusammen mit seiner Frau Monika musikalisch in heimatlichen Weisen auf. Er wandte sich mehr und mehr der Musik zu (spielte Tuba), was leider auf Kosten der Segelei  ging. Was diese anbelangt, hatte er natürlich bezüglich des optimalen Materials auch seine eigenen Ansichten. Sein liebstes Werkzeug für das rechte Tuning war die Flex, was einmal dazu führte , dass er bei der Bearbeitung des Doppelbodens gleich den Bootsrumpf unbemerkt mit beschädigte. Als er dann  vom Bruder ein Boot kaufte, sah sich dieser veranlasst, im Kaufvertrag die Bedingung „keine Behandlung mit Flex“ einzufügen. Empört sprach Wahnfried von einem „Knebelvertrag“.

Nun ist er von uns gegangen. Alle, die ihn kannten, werden ihn sehr vermissen. Wir trauern mit seiner Familie.

Walter Mai